Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) – die Krankheit war bis vor kurzem noch tödlich. Doch dank neuer Medikamente hat Kater Bolle eine echte Chance zu überleben.
Bolle ist einer der vier kleinen Kater, die unsere Sterilisationsverweigerin Tychy wahrscheinlich im März 2025 im Olivenhain hinter unserem vorherigen Haus zur Welt gebracht hatte. Er wurde von seiner Mutter bestens versorgt und sprang mit seinen Brüdern munter im Olivenhain umher. „Frech wie Bolle“ kam er schon als Winzling aus dem Stamm des großen Olivenhains hervor, um nach mir zu sehen, und sich dann blitzschnell wieder zu verstecken.
Bolles Ähnlichkeit zu unserem verstorbenen Spotty fiel sofort auf. Doch die Freude über den putzigen kleinen Kater währte nur kurz, denn er veränderte sich plötzlich, separierte sich immer mehr von seinen Brüdern und zog sich insgesamt zurück. Die Ursache konnten wir nicht feststellen. Dann verschwand er ganz, so dass ich schon mit dem Schlimmsten rechnete. Doch plötzlich war er wieder da – sichtbar krank.
Bolles Anblick am Vorabend des ersten Advent war schwer zu ertragen. Er schlängelte sich mühsam in dem regennassen Klee über den Boden im Olivenhain. Laufen klappte nicht mehr, denn er konnte seine Hinterbeine überhaupt nicht nutzen. Zum Glück ließen ihn die anderen Streuner an meinem Futterplatz im Olivenhain ungestört fressen. Aber Bolle musste dringend zum Arzt.
Zurück zuhause vereinbarten wir, dass wir Bolle am Morgen zu uns holen, auch wenn das erneut mit erheblichen Kosten, Isolation und reichlich Putzen verbunden sein würde. Morgens war er zunächst nicht am Futterplatz. Doch er machte sich bald bemerkbar, schlängelte sich zu den Futternäpfen und ließ sich dort unkompliziert in die Transportbox sperren.
Wir richteten dem armen Kater im Gästezimmer die große Hundebox ein – ausgestattet mit einem warmen Liegeplatz und einer kleinen Toilettenbox – und brachten ihn am Montag als Notfall in unsere Tierarztpraxis.
Besuch beim Tierarzt
Der kleine Kater kam in einem erbähmlichen Zustand in die Tierarztpraxis von Sofi Terezaki in Chania. Dass hier gewaltig etwas nicht stimmte, ließ sich nicht übersehen. Bolle war zwar in seinem warmen neuen Zuhause mit Rundum-Versorgung etwas zur Ruhe gekommen, doch sein Gesundheitszustand hatte sich weiter verschlechtert. Die Beine versagten komplett, die Augen sahen schlimm aus, ein Auge reagierte gar nicht mehr. Er wirkte abgemagert und hatte eine ausgeprägte Ataxie. Offensichtlich war das zentrale Nervensystem befallen.
Die Tierärztinnen Myrto und Sissi untersuchten Bolle gründlich, testen Blut und Urin und äußerten einen Verdacht: FIP. Wir waren geschockt, doch von Einschläfern war keine Rede. Es gäbe ein neues vielversprechendes Medikament, das zu 85 Prozent helfen würde. Um zu überprüfen, ob es sich tatsächlich um FIP handelt, wurde eine Blutprobe an ein Speziallabor in Athen geschickt. Bis zum Eintreffen der Laborergebnisse sollte Bolle mit Kortisontabletten und -augentropfen, außerdem mit einem Antibiotikum behandelt werden. Da der Patient einen guten Appetit hatte, ließen sich die Pillen problemlos unter das Futter mischen. Der Appetit nutzte allerdings nur bedingt, denn Bolle nahm immer mehr an Gewicht ab.
FIP bestätigt
Wenig später bestätigte das Athener Labor den Verdacht der Tierärztinnen. Wir vereinbarten, das Medikament aus Frankreich sofort zu ordern. Bis zum Eintreffen sollten wir weiter mit Kortison und Antibiotikum behandlen. Doch die positive Wirkung, die diese Tabletten zu Beginn der Behandlung hatten, ließ nach. Alle Hoffnung lag auf der Spezialmedizin.
Es ist noch nicht lange her, da war FIP für Katzen tödlich. Die Krankheit wird durch die Mutation des felinen Coronavirus hervorgerufen. Gefährlich ist FIP immer noch. Doch durch die Forschung rund um Coronaviren gibt es inzwischen Medikamente, mit denen die Krankheit behandelt werden kann. Die Crux: Die Medikamente sind innerhalb der EU bisher nur in Frankreich zugelassen. Mit den dort bezogenen Produkten darf aber legal behandelt werden. Info zu FIP »
Obwohl die 340 Euro für Medizin und Kurier sofort überwiesen wurden, dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, ehe das heiß ersehnte Fläschen eintraf. Wobei das Problem in Athen lag. Zwischendurch dachten wir schon, Bolle würde es nicht schaffen, zumal er bei einer Kontrolluntersuchung zwischendurch weiter abgenommen hatte. Erst am 17. Dezember kam die erlösende Nachricht vom Kurierdienst.
Bolles Behandlung mit GS-441524 beginnt
Am 18. Dezember konnte Bolle in der Tierklinik endlich seine erste Dosis GS-441524 erhalten.
Zuvor musste der kleine Kater nochmal eine gründliche Untersuchung über sich ergeben lassen. Das war anstrengend. Auf der Basis seines aktuellen Gewichts legte Tierärztin Myrto die Dosis fest. Danach waren wir verantwortlich. Seitdem leben wir nach der Uhr, denn die Gabe von Futter – natürlich spezielles, das teuer ist – Probiotikum, Antibiotikum, Rest-Kortison und GS-441524 ist genau aufeinander abgestimmt. Damit nichts schief läuft, hängt eine „Gebrauchsanweisung“ am Schrank.
Die neue Medizin aus Frankreich wirkte schnell.
Von nun an feierten wir jeden noch so kleinen Fortschritt. Nach vier Gaben GS-441524 forderte Bolle am Morgen erstmals lautstark sein Frühstück ein – wie jedes andere Katzentier. Die Lethargie war vorbei. Er konnte nun wieder sitzen und fing an, sich zu putzen.
Weil die Hundebox jetzt zu klein wurde, richteten wir den dreistöckigen Stubenkäfig für unseren Patienten ein. Da war sogar das Katzenklo größer. Nur Ex-Streuner Bolle nutzte es immer noch als Bett 🙂 Es dauerte, ehe er endlich verstand.
Anfangs bewohnte er im Käfig nur die untere Ebene, doch auch die bot mehr Platz als vorher. Zudem konnte Bolle beobachten, was die anderen Miezen so tun.
Nach zehn Gaben (= fünf Behandlungstage) kam Bolle allein aus seinem Käfig heraus und benutzte dabei auch seine Hinterbeine. Noch lief er etwas wacklig, aber was für ein Fortschritt! Er fing an, sich für die oberen Etagen seiner Behausung zu interessieren. Gestern – also nach 14 Behandlungstagen – fanden wir ihn erstmals eine, heute sogar zwei Etagen höher. Und er sprach von oben wieder sauber hinunter.
Bei der Kontrolluntersuchung am 31. Dezember stellte Tierärztin Myrto zudem fest, dass Bolles Auge wieder normal reagiert und sehen kann. Außerdem passte sie die Dosis an, denn Bolle hatte inzwischen gut zugenommen.
Optimismus verfrüht?
Wir hoffen, alles wird gut. Allerdings ist der Weg noch lang. 64 Tage dauert die Behandlung. Das zweite Fläschen der Wundermedizin ist schon bestellt. Dass es – theoretisch – zu Rückfällen kommen kann, wissen wir. Daran denken wollen wir gar nicht erst.
Nicht helfen können ist bitter …
Auch der 3 1/2–jährige Kater Devil ist krank. Es spricht viel dafür, dass Liliths Liebster ebenfalls FIP hat. Der männliche Part unseres süßen Traumpaares ist extrem schwach und magert immer mehr ab. Aber Devil vertraut mir nicht und lässt sich deshalb auch nicht helfen. Wir fühlen uns total hilflos.




























































