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Impfung mit Hindernissen

emvolio Impfung

Wir können nur empfehlen, die griechischen Papiere immer aktuell zu halten. Nur für den Fall der Fälle … Hätten wir unsere neuen Passnummern rechtzeitig im Finanzamt angezeigt, wäre uns eine Menge Ärger erspart geblieben.

„Warum lasst Ihr Euch nicht hier auf Kreta impfen?“ Ich weiß nicht, wie oft uns das Griechen in den letzten Wochen fragten. Hatten wir vor – aber … Alle Ausländer in unserem Umfeld, die die Impfung wollten, haben sie längst. Nur bei uns klappte und klappte es nicht. Die bürokratischen Hürden ließen sich einfach nicht überwinden.

Dabei schien alles zunächst ganz einfach.

Zu Beginn des Jahres schaltete die griechische Regierung die Plattform emvolio.gov.gr frei. „emvolio“ steht für „Impfung“ und entsprechend konnten die Griechen, als noch nach Prioritäten geimpft wurde, hier ihre Impfungen regeln. Voraussetzung für die Buchung war eine gültige Sozialversicherungsnummer, kurz: AMKA.

Die AMKA erhält, wer Teil des griechischen Sozialversicherungssystem ist. Residenten aus EU-Ländern und solche in Teilzeit benötigen sie üblicherweise nur, wenn sie vor Ort arbeiten wollen und Beiträge in die SV-Systeme einzahlen.

Nun ist eine hohe Impfrate erklärtes Ziel auch in Griechenland, aber im Land leben jede Menge auch ältere Ausländer, ohne über eine AMKA zu verfügen. Ihnen bot die griechische Regierung schon bald die Möglichkeit an, für die Impfung eine Προσωρινό AMKA, also eine zeitlich begrenzte Sozialversicherungsnummer (PAMKA) zu beantragen. Auch die Beantragung dieser Nummer lief über die Plattform emvolio.gov.gr.

Eine tolle Lösung, die wir Ende März gleich nutzten. In das Antragsformular einzutragen waren neben den persönlichen Daten auch die Nummer des heimischen Reisepasses, die griechische Adresse, eine griechische Telefonnummer und – ganz wichtig – die griechische Steueridentifikationsnummer A.F.M. Wir warteten nach dem Abschicken des Onlineformulars geduldig auf die SMS mit der temporären AMKA. Als jedoch unsere Freunde einige Wochen später die Nummer erhielten und wir immer noch nichts hatten, wurden wir stutzig. Wir wandten uns an den Bürgerservice in Platanias. Um sprachliche Missverständnisse auszuschließen, begleitete uns unsere deutsche Nachbarin, die hier schon lange lebt und entsprechend Griechisch kann. Wir erfuhren:

  1. Unsere A.F.M.-Papiere sind inkonsistent. Die im Finanzamt hinterlegten Passnummern stimmen nicht mit unseren Angaben im Formular überein. (Klar, wir haben inzwischen neue Pässe.)
  2. Eine Ablehnung des Antrags wird aufgrund des hohen Arbeitsaufkommen nicht mitgeteilt.
  3. Wir müssen uns im Finanzamt um die Korrektur der Papiere kümmern und können dann die PAMKA erneut beantragen.

Der schwierige Weg durch die Ämter

Punkt 3 ließ sich persönlich nicht umsetzen. Denn wegen der Pandemiebestimmungen hatten zu dieser Zeit nur Steuerberater und andere wichtige Menschen Zugang zum Amt. Unser Steuerbüro reagierte zunächst prompt. Noch am selben Tag fanden wir die vorbereitete Bevollmächtigung für das Büro im E-Mailpostfach. Wir mussten sie im Bürgerservice persönlich unterschreiben und das vom Bürgerservice bestätigte Exemplar ins Steuerbüro bringen. Dort wollte man sich mit Priorität um die Erledigung kümmern. Das Ganze würde etwa zwei Wochen dauern.

Nach drei Wochen fragte ich nach, ab da wöchentlich. Als wir unerwartet für Mitte Juli Impfterminangebote aus Berlin erhielten, flogen wir sicherheitshalber hin. Jetzt wäre nur noch die Folgeimpfung auf Kreta zu absolvieren gewesen. Auch dafür bietet Griechenland die Möglichkeit – zumindest theoretisch – eine AMKA oder PAMKA vorausgesetzt.

Auf verlorenem Posten

Nachdem unser Steuerbüro Ende Juli im Finanzamt immer noch nichts geklärt hatte, holten wir uns Hilfe von unserem Anwalt. Der sah das Vorhaben optimistisch. Und jetzt ging es tatsächlich fix: Die A.F.M.-Papiere waren sehr schnell geändert. Dass dabei Fehler in unserer Steuerakte entdeckt wurden, war eine nächste Herausforderung. Mit etwas Fleißarbeit konnte ich alle Zahlungen der jährlichen Grundstückssteuer seit 2016 belegen. Meine Zusammenstellung half bei der Aufklärung des Fehlers und die strittigen Beträge wurden umgebucht.

Auch die temporäre AMKA kam schnell. Um sie nutzen zu können, muss sie aber noch ins System … Und genau daran scheiterten wir letztendlich. Der Grund ist banal: Im August ist in Griechenland allgemein Urlaubszeit – ganz schlechte Voraussetzungen, um in den Ämtern irgendetwas zu regeln. Unser Anwalt war ehrlich verzweifelt, dass er uns nicht helfen konnte. In etwa zehn Tagen vielleicht, meinte er letzten Mittwoch – zu spät für uns. Und so entschieden wir uns, auch für die zweite Impfung mal eben kurz nach Berlin zu fliegen 😪

Das Ganze ist natürlich mehr als ungünstig gelaufen. Es hat Nerven, Zeit sowie vier sinnlose Flüge gekostet – in der Hauptsaison! Auf der anderen Seite wissen wir sehr genau, wie lange man in Berlin auf einen Termin in irgendeinem Amt warten muss. Nicht nur jetzt, wo alle Corona als Erklärung parat haben …

Versäumt haben wir auf Kreta derweil nichts. Durch die aktuell hohe Zahl der Corona-Neuinfektionen, auch speziell in unserer Region, gelten strenge Regeln. Und so können die üblichen Parties und Veranstaltungen rund um die 15. August nur bedingt stattfinden. Schade, denn sowohl beim Konzert in Rokka als auch bei der Tanz-Performance in Chania letztes Jahr hat es uns sehr gefallen. Die Vollmond-Events am kommenden Wochenende könnten wir besuchen. Ob die aber stattfinden?

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