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Von Kreta nach Berlin durch Osteurope

Unterwegs von Kreta nach Berlin

2.600 Kilometer in drei Tagen: die Tour war schon herausfordernd. Gebracht hat sie uns neue Erkenntnisse und viele sehr unerwartete Eindrücke. Die Vielzahl der Bilder im Kopf mussten wir in Berlin erstmal verarbeiten …

Wir überlegten lange, auf welchem Weg wir das Auto zurück nach Berlin bringen. Auf die Tour über Italien hatten wir keine Lust und so standen die Route über die Adria-Küste, eine durch Bulgarien, Rumänien und Polen sowie eine etwas mehr direkte durch Serbien zur Auswahl.

Mit Blick auf das Wetter in den einzelnen Gebieten und unsere Sommerbereifung entschieden wir uns für letztere. Lediglich zu Beginn wichen wir ab. Die Nachrichten zu den Ereignissen im Grenzdorf Idomeni veranlassten uns, über Bulgarien zu fahren und den ersten Stopp in Sofia einzulegen.

Vor allem in Serbien und später in Györ (Ungarn) tat es uns leid, dass wir uns nicht mehr Zeit für Stopps zwischendurch nehmen konnten. Aber wir haben viele neue Ideen aufgenommen für nächste Touren nach Kreta mit dem Auto.

Vignette & Maut

Für die Fahrt in Bulgarien, Ungarn, der Slowakei und Tschechien braucht man eine Vignette. Mit Ausnahme von Tschechien bieten die Länder für den Erwerb ein Onlineverfahen an (Stand: März 2019). In Tschechien kauften wir die Vignette viel zu teuer an einer Bude am ersten Parkplatz. Wir hätten bis zur nächsten Tankstelle fahren sollen.
In Griechenland und Serbien fallen Mautgebühren an, die man vor Ort an den Kontrollstellen mit der Visa-Karte oder bar bezahlen kann.

Unsere Route von Kreta nach Berlin

Nachtfähre Chania - Piräus

Ankunft in Piräus

Ankunft in Piräus am Morgen des 06.04.2019

Die Nachtfähre der Minoan Lines wich bei unserer Abreise ausnahmsweise von der regulären Route ab. Sie kam heute aus Heraklion und stand deshalb erst um Mitternacht bereit. Es wurde ganz schön spät in dieser Nacht – und ordentlich kalt außerdem.

Die Ankunft in Piräus verzögerte sich entsprechend und so kamen wir voll in das morgendliche Berufsverkehrs-Chaos rund um Athen – ein Erlebnis der besonderen Art …

Piräus - Sofia

Unsere Route führte uns entlang der Ostküste über Larisa und Thessaloniki, dann weiter via Serres bis nach Sofia – gut 850 Kilometer heute.

Stopp an den Thermopylen

König Leonidas von Sparta

Denkmal zu Ehren von König Leonidas von Sparta

Einen ersten Zwischenstopp legten wir bei den Thermopylen ein. Der Spartanerkönig Leonidas wartete 480 v. Chr. am Thermopylenpass in Mittelgriechenland auf die Perser, die ausgezogen waren, Griechenland zu erobern.

Als wir 2008 auf Kulturreise quer durch das griechische Festland reisten, hielt der Bus hier leider nicht – mit der Begründung, es gäbe nichts zu sehen. Ganz so ist es nicht. Zu sehen sind ein Denkmal und auch Info-Tafeln, die über die Geschehnisse berichten.

Thermopylen heute

Die Gegend hat sich seit der Schlacht an den Thermoplyen verändert.

Ansonsten haben die Thermopylen heute nichts mehr mit dem einstigen engen Übergang zwischen dem Kallidromos-Gebirge und dem Golf von Malia gemein, an den die Griechen gegen die Perser kämpften. Norbert bemühte sich intensiv, die Bilder aus dem amerikanischen Film »300« mit der Realität in Einklang zu bringen. Es brauchte schon sehr viel Phantasie.

Weiterfahrt nach Sofia

Weitere Stopps waren nicht geplant. Nur zum Essen und – notgedrungen zum Schlafen – hielten wir an einer Raststätte bei Larisa. Danach aber ging es geradewegs an Thessaloniki und Serres vorbei nach Bulgarien.

Der sehr gute Zustand der Straßen in Griechenland verschlechterte sich nördlich von Thessaloniki erheblich. In Bulgarien kam es noch schlimmer.

Sofia von der Autobahn aus

Verlassene Häuser in den Außenbezirken von Sofia

Apropos Bulgarien:
Meine russischstämmige Griechischlehrerin auf Kreta hatte mich vorgewarnt, dass Bulgarien die politischen Veränderungen nach 1989 nicht gut überstanden hat. Sie sprach von Brachen, wo sich früher herrliche Obst- und Gemüsefelder befanden, verlassenen und heruntergekommenen Orten und schlechten Straßen. Und so war es dann auch. Das alles stand im krassen Widerspruch zu der schönen Berglandschaft, durch die wir fuhren.

Rund um Sofia wurden die Straßen wieder gut befahrbar, der schlechte Eindruck aber blieb, denn die Außenbezirke der bulgarischen Hauptstadt sahen traurig aus.

Für die Übernachtung hatten wir das Ibis Sofia Airport Hotel von unterwegs per Handy-App gebucht – eine sehr gute Wahl! Auch der bewachte und abgeschlossene Parkplatz beruhigte uns angesichts der Dörfer drumherum.

Sofia - Györ

Wir waren auf dem kurzen Weg zur serbischen Grenze eines der wenigen ausländischen Fahrzeuge an diesem Morgen. Das weckte offenbar auch das Interesse der Polizei, die uns wohl für eine Routinekontrolle stoppen wollte. Aber die Beamten verfehlten uns knapp. Nachdem uns der Wagen überholt und auf dem Parkplatz angehalten hatte, sprang der Beamte nicht rechtzeitig genug heraus, um die Kelle zu heben. Da waren wir vorbei 🙂

An der letzten Tankstelle dann noch eine Negativerfahrung. Mit der Visa-Karte durfte ich nicht bezahlen, bar in Euro aber schon. Nur der Umrechnungskurs war utopisch – und zwar auch noch, nachdem ich den erstgenannten energisch reklamiert hatte. Wir hätten etwas später in Serbien tanken sollen. Da lief alles korrekt.

Durchfahrt durch Serbien

Die Straßen waren von jetzt an in Ordnung. Überall wurde gebaut und erweitert. Teilweise kannte der Google-Navigator die neuen Straßen und Tunnel noch gar nicht.

Die Orte links und rechts der Autobahn machten einen freundlichen Eindruck. Sie lebten. Wir hätten gern mehr von dem schönen Land gesehen. Bestimmt kommen wir wieder und dann mit etwas mehr Zeit.

Auch die kurze Rast an einem Motel an der Autobahn bestätigte den positiven Eindruck von Land und Leuten – alles freundlich, modern und zuvorkommend. Der kostenfreie WiFi-Zugang half die hohen Roaminggebühren für Nicht-EU-Länder zu vermeiden. Das Essen schmeckte und kostete fast nichts. Der Preis war beinahe peinlich.

Dass unsere Route später über eine Schnellstraße durch Belgrad führte, stellte kein Problem dar. Wir kamen zügig durch.

Beachten sollte man in Serbien unbedingt die Geschwindigkeitsvorgaben. Wir hatten die Hinweise auf der ADAC-Plattform gelesen und hielten uns sicherheitshalber daran, denn Verstöße sollen sehr teuer sein.

Tipp:
Mobile Verbindungen bei der Durchfahrt durch Serbien auf dem Handy ausschalten, sonst wird es empfindlich teuer.

Ab der serbischen Grenze durch Ungarn

Am Grenzübergang von Horgoš (Serbien) nach Röszke (Ungarn) standen wir erstmals. Die Schalter waren zwar nach EU und Nicht-EU sortiert, aber die Beamten supergenau. Vor allem Fahrzeuge, in denen theoretisch Flüchtlinge Platz finden könnten, wurden penibel gecheckt. Das dauerte …

Rund eine Stunde später konnten wir unsere Fahrt fortsetzen. Bis Szeged sollte die Fahrt heute mindestens gehen, besser bis Györ in der Nähe der slowakischen Grenze. Wir schafften es, aber 1.000 Kilometer merkt man dann schon.

Autobahn Ungarn

Gleich geschafft: Autobahn kurz vor unserem Etappenziel

Die Strecke ließ sich gut fahren, auch die Durchfahrt durch Budapest. Wer Budapest kennt, kann von der Brücke der Schnellstraße aus die Sehenswürdigkeiten der ungarischen Hauptstadt ausmachen.

In Györ angekommen wollten wir nur noch schnell ins Hotel, etwas essen und schlafen. So leicht war das aber nicht. Der Google-Navigator versagte im Stadtzentrum an der Baustelle rund um das Theater von Györ. Wir fanden das Teátrum Panzió és Étterem nach einigem Suchen zu Fuß, so dass ich einchecken konnte, denn die Wirtsleute wollten Feierabend machen.

Aber das Hotel hatte keinen Parkplatz. Das hatte im beim Buchen per Handy-App vergessen – sehr negativ an einem Samstagabend in einer übervollen Innenstadt. Die gesamte Jugend schien auf den Beinen zu sein. Eine gefühlte Stunde später konnten wir unser Auto endlich fast zwei Kilometer entfernt parken und unser Hotel beziehen: getrennte Betten, extrem eng Platz in der Nasszelle, laut. Das Hotel  war ausreichend, nochmals buchen würden wir es aber nicht.

Das typisch ungarische Abendessen in einem der landesüblichen kleinen Restaurant gleich um die Ecke unseres Hotels entschädigte uns für alles.

Györ - Berlin

Györ in Ungarn

Györ: Die ungarische Großstadt hat eine sehenswerte Innenstadt

Schon während wir in der gestrigen Nacht durch Györ irrten, erschien uns die Stadt sehr sehenswert. Das wollten wir am Morgen unbedingt überprüfen. Und so stand zunächst ein Stadtbummel auf dem Programm, ehe wir die „restlichen“ Kilometer Richtung Berlin in Angriff nahmen. Die Stadtbesichtigung ist unbedingt empfehlenswert!

Von Ungarn über die Slowakei nach Tschechien

Der kurze Weg bis zur slowakischen Grenze dauerte nicht lange. An der Grenze ging es zügig voran. Wie vorgeschrieben besorgten wir uns am ersten Halteplatz in Tschechien die obligatorische Vignette. Bude an Bude stand auf dem Gelände einer ehemaligen Tankstelle. Und wir tappten prompt in die Falle: Die Vignette wird hier mit Aufschlag verkauft. An der nächsten regulären Tankstelle hätten wir sie deutlich preiswerter bekommen.

Die Straßen waren überall okay, angesehen von den vielen Baustellen.

Von Tschechien nach Deutschland

Hinter Prag – auch diese Stadtdurchfahrt gelang problemlos – wollten wir irgendwo abseits der Autobahn Rast machen, denn auf die üblichen Fast-Food-Ketten an der Strecke hatten wir keine Lust. Wir dachten an einen netten Landgasthof mit tschechischer Küche, wie vor allem ich ihn aus den 90er Jahren kannte. Leider stehen die Tschechen wohl mehr auf internationale Einheitskost als auf ihre traditionellen Speisen. Schade! Das Essen in dem kleinen Restaurant schmeckte trotzdem.

Dass wir etwas später in Deutschland angekommen waren, merkten wir sofort: Rasen auf der Autobahn, ein deutlich dichterer Verkehr und endlich wieder Staus 🙂 Wir kamen in den rückflutenden Wochenendverkehr mit all seinen üblichen Auswirkungen. Und die wurden dann bis Berlin immer schlimmer …

2.600 Kilometer sind schon ganz schön viel für drei Tage. Abgeschreckt hat uns das nicht – im Gegenteil! Im Herbst wollen wir wieder mit dem Auto fahren, dann durch Kroatien entlang der Adria und über Albanien. Aber wir planen etwas mehr Zeit für die Tour ein.

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