Da steht das gute Stück mit griechschem Kennzeichen. Das recht betagte Fahrzeug zu importieren, war trotz Euro-4 für uns die richtige Entscheidung.
Die Idee, unseren Berliner Pkw mitzubringen – korrekt: kostenpflichtig zu importieren, war uns schon vor Jahren gekommen. Doch das Procedere erschien uns zu undurchsichtig, zu kompliziert und letztlich auch zu teuer. So richtig konnte uns zudem niemand sagen, wie es funktioniert. Im Internet kursieren die abenteuerlichsten Berichte. Das Problem: Im ländlichen Kreta braucht man ein Auto. Und Leihwagen gehen auf die Dauer ganz schön ins Geld.
Zweimal hatten wir unser Berliner Auto über Winter mit auf der Insel. Beim zweiten Mal überraschte uns Corona, was uns nicht nur die schöne Rück-Tour durch Rumänien und Ungarn vermasselte, sondern auch vor Ort Probleme brachte. Sicherheitshalber kauften wir auf Kreta ein Fahrzeug. Der Berliner Pkw schmorte seitdem in der Tiefgarage und alterte vor sich hin. Das sollte so nicht bleiben.
Zeit was zu tun
Nachdem unser Fahrzeug im September mit meinem Geburtstagsbesuch eingereist war, hatten wir unsere Papiere sogar schon im Zollbüro in Souda auf Vollständigkeit checken lassen. Doch wir überlegten noch, denn es gab zwei Optionen:
- Einfuhr im Rahmen eines Umzugs, also Wohnsitzverlagerung
- Gewöhnliche Einfuhr gleich kostenpflichtiger Import
Beide Varianten haben ihre Spezifik:
Im Fall 1 hätten wir die Liste unserer Umzugsgüter im griechischen Konsulat in Berlin einreichen und bestätigen lassen müssen. Wie es danach weitergegangen wäre und was noch dranhängt, wollte ich gar nicht mehr aufklären, nachdem ich die Service-Bewertungen auf Google gelesen hatte. Was da steht, ist haarsträubend. Nachdem mich ein griechischer Insider frage, ob ich mir das wirklich antun möchte, war das Thema vom Tisch. Dass man das Fahrzeug, wenn man es auf diese Weise mitbringt, drei Jahre lang nicht verkaufen darf, spielte bei unserer Entscheidung keine Rolle mehr, wohl aber der erhebliche bürokratische Aufwand.
Im Fall 2 fällt die Importsteuer, die sich aus vielerlei Faktoren berechnet, zuzüglich einer eventuellen Umweltsteuer an. Diese „Straf“-Steuer betrifft Fahrzeuge mit Euro-4, was bei uns zutrifft. Aktuell beträgt sie 3 T€.
Wir entschieden uns für Option 2, wollten uns aber die ganzen Laufereien ersparen.
Es ist vollbracht …
So schlimm war das alles am Ende gar nicht. Das liegt auch daran, dass wir uns Hilfe geholt hatten – und das, obwohl wir inzwischen genau wussten, wie das Ganze funktioniert. Doch es gibt Spielräume, deshalb schien uns ein Agent, der die Ansprechpartner im Amt bestens kennt und die Abläufe aus dem Effeff beherrscht, die bessere Idee für unser Vorhaben zu sein. Die Gebühr für den Service war jeden Cent wert.
Beim ersten Besuch sah sich Giorgos mein Gefährt genau an und prüfte den Kilometerstand. Ich hatte alle Papiere vorbereitet und musste diese auch abgeben, also Fahrzeugbrief, Zulassung und Kaufbeleg. Zusätzlich benötigte er meine griechische Steuernummer, meine Zugangsdaten zu Taxisnet, der griechischen Steuerplattform, sowie die Kopien von Pass und Aufenthaltserlaubnis. Ich musste lediglich die von ihm vorbereiteten Formulare mit meinen persönlichen Daten befüllen, unterschreiben und meine Unterschrift im KEP – dem griechischen Bürgerbüro – bestätigen lassen. Gebühren fielen dafür im KEP nicht an, ein Termin war auch nicht nötig. Ich war in null Komma nichts wieder raus und konnte Giorgos die Papiere bringen.
Jetzt hätte er loslegen können, hätte mir der letzte HU-Bericht im Original vorgelegen. Ich besaß aber nur eine Kopie … Dass die Zulassung eindeutig gestempelt ist und die gültige Prüfplakette am Nummernschild „klebt“, zählte nicht. So gab es eine kleine Verzögerung, bis ich mir das amtliche Duplikat über den Online-Service der Prüfstelle besorgt hatte. Damit alles rechtens ist, musste der Bericht von der Prüfstelle nicht an mich, sondern direkt an eine offizielle E-Mailadresse unter gov.gr, dem digitalen Portal der öffentlichen Verwaltung in Griechenland, geschickt werden. Danke DEKRA in Berlin für den tollen Service!
… hat aber gedauert
Das „Umschreiben“ dauerte alles in allem gut sechs Wochen. Das deckt sich mit dem Zeitfenster, das mir Giorgos schon vorab genannt hatte. Er sprach von ein bis zwei Monaten. In dieser Zeit hätten wir unser Fahrzeug in der Chania-Region weiter fahren können. Da wir die 180-Tage-Frist inzwischen aber überschritten hatten, ließen wir es lieber stehen.
Einen Monat nachdem der Prozess angestoßen war, schickte mir Giorgos per Viber den Steuerbescheid für die Importsteuer samt Zahlungscode für das griechische Online-Banking. Ich überwies wunschgemäß noch am selben Tag und informierte ihn über die Zahlung.
Acht Tage später konnte ich die fertigen Import-Dokumente bei Giorgos abholen und damit bei IKTEO die Hauptuntersuchung absolvieren. Ich kam sofort dran – ohne Voranmeldung. Unser werkstattgepflegter Veteran hatte erwartungsgemäß keine Mängel. Die Import-Dokumente gab ich Giorgos zurück. Prüfbericht und Plakette bekam er auch, doch für die Zulassungstelle waren nur Kopien nötig. Die Originale müssen bei uns bleiben
Die HU mit AU kostet übrigens aktuell 55 Euro, sofern man pünktlich erscheint. (Stand: 29.04.2026) Bei Verspätung wird es schnell teuer. Wie überall arbeitet man auch hier mit Geld, um die Bürger zu motivieren 🙂 Die jährlich fällige AU kostet 10 Euro.
Eine weitere Woche später kam der heiß erwartete Anruf: Die Kennzeichen sind da. Blöderweise befand ich mich gerade in Berlin. Ich flog zwar am kommenden Tag zurück, landete aber exakt zu der Zeit, als Giorgos planmäßig Feierabend machte. Immerhin war Freitag. So musste ich mich bis gestern gedulden.
Blieb die Versicherung … Da für den Abschluss die griechische Zulassung nötig ist, konnte ich sie erst gestern abschließen. Der Vorgang war aber schon vorbereitet, so dass ich die Police schnell in meinen Händen hielt.
Rund 3.600 Euro fielen alles in allem an, davon 3.100 Euro für die Importsteuer. Ärgerlich, aber für dieses Geld hätten wir auf Kreta kein brauchbares Fahrzeug mit entsprechender Leistung und Zuverlässigkeit kaufen können.
Es ist noch nicht vorbei, oder vielleicht doch?
Das Fahrzeug in Berlin abzumelden ist nicht zwingend eine Zwei-Minuten-Angelegenheit, wie es im Web beschrieben wird. Denn der Online-Service gilt nur für Kfz mit Zulassung ab 01.01.2015. Ich war schon wieder im Panik-Mode: nochmal Berlin, persönlich ins Amt, nur mit Termin und Termine sind Goldstaub 🙁 Auf den einschlägigen Seiten im Internet war sogar die Rede davon, dass ich die griechischen Dokumente samt Zulassung übersetzen lassen müsse.
Alles Fake, wie sich herausstellte. Weil ich allein nicht weiterkam, fragte ich unter Post.KFZ-Zulassung@labo.berlin.de nach. Keine zehn Minuten später antwortete ein Bearbeiter. Er brauche ein Bild meiner griechischen Zulassung, dann würde er die Abmeldung für mich erledigen. Sofort schickte ich, was er wollte. Eine weitere halbe Stunde später teilte er mit, dass mein Fahrzeug rückwirkend zum Datum der Zulassung in Chania außer Betrieb genommen worden sei. Kosten würden nicht anfallen, da das Gefährt in einem anderen Land zugelassen wurde. Ich nehme alles zurück, was ich heute Schlechtes über die Ämter in Berlin gesagt habe 🙂
Nachtrag 13. Mai 2026
Heute früh meldete sich die Kfz-Versicherung und bestätigte das Vertragsende zum 08.05.2026. Wunder über Wunder 🙂




































