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Deutscher Soldatenfriedhof Maleme

Deutscher Soldatenfriedhof Maleme

In diesem Mai jährte sich der Beginn der »Battle of Crete« oder der »Schlacht um Kreta« zum 80. Mal. Griechen und Briten gedachten der Ereignisse eine ganze Woche lang mit Veranstaltungen. Höhepunkt war das Abschluss-Event mit Flugshow über dem Flugplatz von Maleme in der Nähe des deutschen Soldatenfriedhofs.

Am 20. Mai 1941 starteten deutsche Fallschirmjäger zum ersten großen Luftlandeunternehmen der Kriegsgeschichte, dem Unternehmen Merkur. Auf dem Friedhof in Maleme sind die Deutschen begraben, die diese Schlacht und die Ereignisse danach nicht überlebten. Der Friedhof wurde vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge errichtet und am 6. Oktober 1974 eingeweiht. Knapp 4.500 Tote haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Jährlich besuchen bis zu 70.000 Menschen aus aller Herren Länder den Soldatenfriedhof in Maleme. Je nach Herkunft interessieren sie sich eher für die Kriegsereignisse oder die toten Wehrmachtssoldaten. (Mehr unter Wikipedia sowie auf der Website von Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.)

Ein Ort voller widersprüchlicher Emotionen

Für mich ist der deutsche Soldatenfriedhof ein höchst widersprüchlicher Ort. Denn was hatten Deutsche hier überhaupt zu suchen? Dass die Kreter eine solche Stätte, noch dazu an dieser Stelle und in einer Form, die eher eine Ruhestätte der Sieger suggeriert, überhaupt zulassen, verstehe ich nicht – bei all dem Leid, das Deutsche im Zweiten Weltkrierg auf diese Insel gebracht hatten. Kandanos, Ano Viannos, Kondomari und viele Orte mehr zeugen davon.

Lange Jahre haben wir den Soldatenfriedhof deshalb ganz bewusst gemieden. Erst als uns ein junger Mann aus Berlin erzählte, dass er sich als Jugendlicher nach dem Besuch in Maleme für den Zivildienst entschieden hatte, besuchten wir ihn doch – und waren gleich wieder entsetzt. Was ich in der Ausstellung am Eingang zum Friedhof las, war nicht zu ertragen. Von Heldentod, Tod für Vaterland oder Großdeutschland ist da die Rede. Das alles gehört zu einer 1984 installierten Ausstellung. Die Gefallenen werden als Helden gefeiert. Ganz besonders negativ hat sich mir die Schilderung der Gräfin von Blücher eingeprägt.

Inhaltliche Neuausrichtung geplant

Mit meinen Vorbehalten bin ich zum Glück nicht allein. Auf Kreta gibt es Widerstand, weiß die Historikerin Katerina Anagnostaki. Auch Daniela Schily, die neue Generalsekretärin des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, findet die Heroisierung der Gefallenen falsch. Sie will die hohe Aufmerksamkeit für Maleme nutzen, um den Friedensgedanken zu forcieren. (Quelle: „Die Gräber der anderen“, FAZ vom 25.11.2019). Der Artikel ist übrigens hochinteressant, allerdings FAZ plus.

Wir sind gespannt, wie das neue Konzept am Ende aussehen wird. Nötig ist eine Erneuerung u.E auf jeden Fall.

Kriegsdenkmal Platanias

Gedenktafel in Pano Platanias

Im Bewusstsein der Kreter hat die Schlacht um ihre Insel immer eine besondere Rolle gespielt und spielt diese auch weiterhin, Das liegt vor allem am Widerstands der Inselbewohner, die sich nicht einfach ergaben. Mit furchtbaren Folgen natürlich. Wer aufmerksam über Kreta fährt, wird an vielen Orten auf Spuren der Verbrechen der deutschen Besatzer stoßen. In den Gesprächen mit älteren Menschen ist das Thema stets präsent.

Und so erklärt sich auch die jährliche Erinnerung an den Beginn der Invasion, deren Abschluss traditionell die Flugshow über Maleme ist. Die fiel in diesem Jahr aufgrund des Jubiläums deutlich größer aus als sonst üblich. Das Red Arrows Kunstflugteam der Royal Air Force malte Bilder in den Himmel, Fallschirmspringer der griechischen Armee zeigten ihr Können. Und der griechische Kampfjet mit seiner obligatorischen Show, der uns 2018 so erschreckt hatte, war natürlich auch wieder dabei.

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