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Die Sickergrube ist voll :-(

Unsere Sickergrube wird geleert.

Sickergruben sind auf Kreta (leider) weiter aktuell. Gerade die von den Hauptstraßen weiter entfernten Grundstücke im ländlichen Bereich sind oft noch nicht an die Kanalisation angeschlossen.

Auch uns begleitet das Thema Sickergrube, seit wir auf Kreta sind. Norbert als Randberliner war damit durchaus vertraut. Ich als Großstädter musste mich erstmal daran gewöhnen. Zum Glück war die Grube im alten Haus aber so groß bemessen, dass wir niemals entleeren mussten. Falls aber doch, wäre der Zugang von der Straße aus extrem einfach gewesen. Vorausschauend hatten wir während der Bauarbeiten 2020 sogar schon für den versprochenen Anschluss an die Kanalisation vorgesorgt.

Auch in Kontomari haben wir eine Sickergrube.

Kläranlage Gerani

Die Kläranlage in Gerani wird gerade erweitert.

Keine Ahnung, ob und wann wir an die Kanalisation kommen, denn auch in Kontomari wohnen wir nicht im Hauptort. Wir können die Kläranlage unten im Tal in Gerani von Teilen unseres wunderschönen Grundstücks aus zwar sehen, das war’s aber dann auch 🙁

Unser Vorbesitzer hatte uns in etwa gezeigt, wo sich die Grube befindet. Er hatte auch erwähnt, dass er in zwanzig Jahren niemals entleeren musste. Das war eine weitere seiner vielen Unwahrheiten … Denn seit gestern wissen wir, dass die Sickergrube für unser Haus viel zu klein ist. Es kann aber auch sein, dass er den „Greek Way“ gegangen ist: mit der Jauchegrube den flüssigen Teil abpumpen und irgendwo auskippen. Das ist natürlich illegal, wird aber nicht selten praktiziert.

Den „Greek Way“ hatte uns auch der Handwerker vorgeschlagen, der gerade unseren ehemaligen Technikraum in ein  Badezimmer verwandelt. Als er die Installation des Abwasserrohrs vorbereiteten wollte, fand er eine volle Sickergrube vor. Wir entschieden uns natürlich für die ordnungsgemäße Entleerung über ein Serviceunternehmen.

Ein Reinigungsservice muss her.

In Chania und Umgebung fand ich genau zwei Unternehmen, die Sickergruben entleeren. Zu beiden gab es im Netz widersprüchliche Bewertungen. Wir hatten also, sofern die Bewertungen stimmen, die Wahl zwischen Pest und Cholera 🙂

Mein Anruf beim Serviceunternehmen war kurz. Ich wurde gefragt, wo genau wir wohnen und welche Bedingungen auf unserem Grundstück herrschen. Der Mann am anderen Ende der Leitung versprach, dass er zurückrufen würde. Sie kämen auf jeden Fall noch heute.

Noch bevor es dunkel wurde, erhielt ich tatsächlich einen Anruf. Man wollte wissen, wie große die Sickergrube sei, ob und wie weit das Fahrzeug auf das Grundstück fahren kann und wie weit es dann noch bis zur Sickergrube wäre. Zur Größe konnte ich keine konkreten Angaben machen. Und so war das Fahrzeug, das eine Stunde später kam, ziemlich überdimensioniert.

Der Reinigungsservice kommt.

Das Entsorgungsfahrzeug fährt rückwärts auf unser Grundstück.

Das Entsorgungsfahrzeug fährt rückwärts um eine Kurve auf unser Grundstück …

Entsorgungsfahrzeug auf dem Grundstück

… und steht nach einer halben Stunde millimetergenau am Carport.

Die Sickergrube wird entleert.

Die Sickergrube wird entleert. Der dicke Schlauch muss in das schmale Rohr.

Es gibt sie doch – extrem unfreundliche Griechen. Der Chef auf dem Fahrzeug des Dienstleisters hatte eine erbärmlich schlechte Laune 🙁 Das berüchtigste M-Wort war Standard, als er seinen Mitarbeiter dilettantisch einwies. Wobei uns der Fahrer des riesigen Gefährts direkt leid tat. Wir hatten schon oft Lkw hier, ein so großes Fahrzeug allerdings nie. Nach einer halben Stunde vor und zurück stand das Fahrzeug endlich am Zielort.

Als nächstes wurde der große Schlauch abgewickelt und ausgelegt. Unsere Grube befindet sich – höchst unpraktisch – hinter dem Haus. Der Schlauch reichte, aber er passte nicht in die Grube. Anders als im alten Haus, war da nicht einfach eine Öffnung, sondern ein Rohr führte hinunter in die Sickergrube. Das wurde knifflig. Die beiden Männer mussten per Hand stauchen, damit der Schlauch überhaupt passt. Dann wurde ausgepumpt bis Luft kam. Eine Geruchsbelästigung gab es übigens zu keinem Zeitpunkt. Vor solch‘ unappetitlichen Dingen hatte ich mich am meisten gefürchtet.

150 EUR bar kostete uns der „Spaß“. Da die Grube so klein ist, hätte es billiger werden müssen. Aber die Anfahrt ab Chania und vor allem der Aufwand auf unserem Grundstück schlugen negativ zu Buche. Unser Handwerker fand den Preis okay. Er dachte, es würde teurer werden.

In aller Kürze

  • Reaktionszeit und Service waren völlig okay.
  • Den Preis können wir nicht bewerten, weil der Vergleich fehlt. Einen Beleg für die Zahlung bekamen wir natürlich nicht.
  • An der Kommunikation muss der Anbieter dringend arbeiten. Vielleicht wäre der wirkliche Boss freundlicher gewesen, der sei aber gerade im Ausland, erfahren wir von seinem „rustikalen“ Vater.
  • Gesprochen wurde v.a. Griechisch, ggf. auch Englisch. Der Boss würde auch Deutsch können, sagte sein Vater.

Am Ende wurden die beiden Männer vom Service in unserer Griechisch geführten Konversation sogar noch freundlich und gaben uns Tipps zum Umgang mit der Grube. Wir werden sie wohl (leider) noch öfter sehen müssen, denn das gute Stück ist einfach viel zu klein. Vergrößern können wir die Grube ja nicht – kein Platz.

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