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Was macht Ihr denn da auf Kreta den ganzen Tag?

Taverna Kaiki in Nea Chora, Chania

»Was macht Ihr da eigentlich den ganzen Tag«, werden wir in Deutschland oft gefragt. Denn viele Menschen verbinden Kreta ausschließlich mit Urlaub und Hotelaufenthalt.

Unendlich Urlaub machen wir natürlich nicht. Das wäre nicht nur langweilig, sondern auch schädlich für Geldbeutel und Gesundheit 🙂

Feier für alle, die keinen Namenstag haben

Sonntagvormittag am Strand von Kambos

Wir machen vielmehr das, was andere – aktive – Ruheständler in Deutschland auch tun: Menschen treffen, Hobbies pflegen oder auch (wieder-)entdecken, Sport, Kultur, Ausflüge, Garten, sich ums Haus kümmern, einkaufen, Essen gehen, kochen …, aber auch die unangenehmen Dinge des Lebens wie Ämterkram, Handwerkertermine, putzen usw.
Hinzu kommt Griechisch lernen. Das zählt bei mir zwar als Hobby, ist aber auch sprachlich weniger Interessierten dringend zu empfehlen. Denn es ist schon wichtig, wenigstens etwas sprechen zu können. Okay, Norbert kann es auch nicht wirklich, aber zumindest so viel, dass er unterwegs – vor allem abseits der Küste – als Contacter für uns agieren kann. In der männlich geprägten Kreta-Welt macht das durchaus Sinn 🙂

Aber warum Kreta?

Was ganz anderes, Neues erleben, abseits eingetretener Pfade … Das war der Plan.
Andere Kulturen, neue Menschen entdecken und kennenlernen war gerade für mich immer schon spannend. Deshalb hatte ich nach dem Abitur auf den Abschluss als Sprachmittlerin studiert. Internationalität und Multikulti haben mich beruflich bis zuletzt in meinem angestellten Arbeitsleben begleitet, als ich schon längst nicht mehr dolmetschte. Privat sind wir ebenfalls gerne und viel herumgereist. Heute weiß ich: Das passt zu meinem Gen-Cocktail 🙂
Bei einer unserer Touren hatten wir uns in Kreta verliebt. Mehr steht hier. Die Insel ist einfach perfekt zum Leben. So ließ sich Norbert gerne begeistern.

Das Plus an Lebensqualität

Wetter: gesund für Körper und Geist

Olivenhain bei Gerani

Natur Ende November

Wir profitieren auf Kreta vom schönen Wetter, das sehr viel mehr Aktivitäten im Freien ermöglicht. Denn Wandern, Schwimmen und spazieren gehen machen bei Kreta-Wetter eben deutlich mehr Spaß als in Berlin – vor allem im Herbst und im Winter. Aber auch Motorrad oder Fahrrad fahren und sogar Klettern oder Ski laufen wären möglich, wenn man das denn mag.

Das Wetter auf Kreta ist aber nicht nur gesünder für uns. Es scheint sich auch – und das ist sooo viel wichtiger – auf das Gemüt der Menschen hier, auf ihre Ausstrahlung und Freundlichkeit auszuwirken. Überhaupt ist die Freundlichkeit, aber auch Aufmerksamkeit und Tolerenz der Kreter im Alltag nicht zu übersehen. Es macht einfach Spaß auf Kreta zu leben.

Kolymbari Markt

Lebensmittel frisch vom Markt

Darüber hinaus wissen wir die außergewöhnlich guten Lebensmitteln auf Kreta zu schätzen. Unsere kommen überwiegend von lokalen Produzenten, oft frisch vom Markt oder aus kleinen Geschäften. Wir trauen uns und stecken häufig auch Dinge, die wir nicht kennen, in unseren Einkaufskorb. Da kann man nur lernen 🙂 Ich mag es zu kochen und viele neue Gerichte auszuprobieren. Mit diesen Lebensmitteln hier gelingt alles.
Unser Schwärmen für kretische Lebensmittel hat übrigens nichts mit Preisen zu tun, wie im RTL-Interview falsch dargestellt. Die sind auch nicht immer (z.B. beim Fleisch) niedriger als in Deutschland. Aber eben besser.

Von Kretern lernen: einfach leben

Wer einmal erlebt hat, mit welcher Demut und mit welchem ernormen Fleiß die Kreter jedes Jahr im Frühjahr ihren von den Wetterunbilden zerstörten Besitz wieder herrichten, versteht, dass die Menschen Sinn für das Wesentliche haben und anpacken können. Die in Deutschland viel zitierte Resilienz ist Kretern wohl angeboren. Da wird nicht lamentiert, sondern einfach gemacht.
Hinzu kommt das, was Griechen »Filotimo« nennen. Das Wort beschreibt die spezielle Einstellung der Griechen zum Leben. Autor Andreas Deffner hat dazu ein ganzes Buch geschrieben. Link zu Greek-Books » übrigens uneigennützig 🙂
Was uns als Familienmenschen besonders gefällt, sind der Zusammenhalt der Familien und der natürliche Umgang mit Kindern. Letzteres wirkt sich auch auf die Kleinen selbst aus, die uns so unvoreingenommen begegnen, wie wir es bisher nur aus Skandinavien kannten.

Vielfältige Freizeitaktivitäten möglich

Sport, Wandern, Konzerte, Theater, Tanz und vieles mehr – zumindest bei uns im Nordwesten der Insel findet man für alles Gleichgesinnte und ausreichend Möglichkeiten, Hobbies zu pflegen oder zu entwickeln. Ausgefeilte (teure) Garderobe für die einzelnen Aktivitäten braucht man jedoch nicht. In meinem Sportstudio zum Beispiel erscheinen auch die super attraktiven jungen Frauen in völlig normaler Sportkleidung. So ist es auch beim Tanzen. Wie schon mehrfach erwähnt: Auf Kreta schätzt man Natürlichkeit.

Neue Freundschaften schließen

Allein ist man auf Kreta ganz bestimmt nicht! Im Alltag und bei Freizeitaktivitäten lernt man Griechen, Menschen aus dem deutschsprachigen Raum, Briten, Skandinavier, Osteuropäer … kennen. Manchmal entstehen aus ersten Kontakten richtig gute Freundschaften. Andere Bekanntschaften halten nicht, was sie zunächst versprachen. Das ist alles wie in jungen Jahren auch. Wer sich darauf einlassen kann, erlebt eine echte Bereicherung.

Auch wir selbst haben uns auf Kreta verändert …

Kätzchen im Garten

Unsere felligen Mitbewohner spielen im Garten

„Welcome to the Crete Nature“, lächelte unser Tierarzt neulich verschmitzt, als ich erzählte, dass ich nie, niemals Haustiere wollte. Heute möchte ich unseren „Zoo“ nicht mehr missen, auch wenn er Arbeit macht, Geld kostet und manchmal Schmerzen bereitet.

Der Garten ist noch so ein Beispiel. Jahre haben wir das Thema gemieden – ich vor allem, weil ich Panik vor kriechendem und krabbelndem Getier hatte. Inzwischen grünt und blüht es bei uns. Generell fühle ich mich inzwischen als Ex-Stadtmensch im ländlichen Bereich richtig wohl. Nur manchmal, wenn wir von Freunden in Chania kommen, drängt sich der Gedanke auf, dass eine Stadtwohnung auch nicht so schlecht gewesen wäre – aber nur kurz 🙂

Von Anfang an haben wir auf Kreta die wohltuende Entschleunigung wahrgenommen. Okay, das hing auch mit der Art Urlaub, die wir bevorzugten, zusammen. Aber auch später – mit dem eigenen Haus – reichten wenige Tage, um komplett abzuschalten. In solch‘ einer Atmosphäre entwickelt sich Kreativität fast von allein. Alle Handarbeitskünste, die sich in der Hektik meines Berufsalltags über die Jahre verabschiedet hatten, sind jetzt wieder da. Und ich genieße es.

Die Schattenseiten des Auswanderns …

Wir haben noch keine entdeckt. Für uns war unsere Entscheidung genau richtig.
Es gibt aber doch ein paar Fallstricke, wie die wenigen Beispiele zeigen:

Ganz klar: Hätten wir Enkel, wären wir unseren Weg wahrscheinlich so nicht gegangen. Erwachsene Kinder, Familienangehörige und Freunde aber können uns besuchen kommen. Und das machen sie auch. Ansonsten beherrschen wir alle die Kunst, auch über die Ferne oder mit zeitlichen Abständen Kontakt zu pflegen.

Paare, die auswandern, sollten eine intakte Beziehung haben. Denn Probleme werden in der Ferne nicht besser.

Im Gastland offen und entgegenkommend sein, zuhören können … Wer belehrt oder sich gern selbst präsentiert, hat es ggf. schwerer. Dazu gehört auch, sein griechisches Gegenüber ernst zu nehmen und auch dessen Namen zu behalten 🙂 Griechen wissen die Namen, nachdem man sich vorgestellt hat, selbst wenn man sich nicht regelmäßig sieht.

Und reisen? Gut, reisen müssten wir nicht, denn wir sind ja schon da, wo andere Urlaub machen wollen. Wir tun es trotzdem oder könnten es zumindest tun: die anderen griechischen Inseln, das Festland und sogar Zypern sind per Fähre erreichbar. Nordgriechenland, die kroatische Küste, Montenegro oder Albanien sind mit dem Auto nicht sooo weit entfernt. Deutsche Kreuzfahrtschiffe starten ab Heraklion. Und, und, und … Wem Kreta nicht reicht, der kann also auch außerhalb der Insel eine Menge unternehmen.

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