Chania Venezianischer Hafen Kreta
21
Mai
2018
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Geschichtsstunde live

Der 20. Mai 1941, Beginn der deutschen Invasion auf Kreta, ist seit gestern Abend fest in meinem Gedächtnis verankert. Zu einprägsam war der Tiefflieger über unserem Haus im sonst so stillen Olivenhain.

Ohrenbetäubendes Dröhnen, Schwaden von Kerosin und unser Haus bebte wie bei einem Erdbeben – ich fühlte mich von einer Sekunde auf die andere wie im Krieg. Den kenne ich zum Glück nur aus den sehr emotionalen Schilderungen meiner Mutter sowie aus Büchern und Filmen. Die Wirkung aber ist nachhaltig. Ich war im ersten Moment völlig irrational.

Was da passierte, war absolut nichts für mich. Der Kampfjet kam mit einem Affenzahn im Tiefflug von Akrotiri, flog kurz vor Maleme Loops, dreht dabei Richtung Meer und stieg dort steil nach oben in den Himmel. Um danach – jetzt noch tiefer – neu anzufliegen und neue Kunststückchen zu zeigen. Das konnte keine normale NATO-Übung sein – hier im Touristengebiet!

Der Zusammenhang erschloss sich nach kurzem Blick ins Internet: Auf den Tag genau vor 77 Jahren begann die Schlacht um Kreta. Strategische Ziele der faschistischen deutschen Luftlandeoperation waren der Flughafen von Maleme, die Bucht von Souda und die Hauptstadt Heraklion. (Historische Notizen von Holger Czitrich-Stahl lesen) Auf beiden Seiten gab es große Verluste. Die kretischen Denkmäler zu Ehren der gefallenen Kämpfer, aber auch der Opfer unter der Zivilbevölkerung sind nicht immer leicht zu finden. (Link) Der deutschen Opfer wird auf dem großen Soldatenfriedhof in Maleme gedacht. Zu dem Ort habe ich ein höchst gespaltenes Verhältnis. (Bericht von unserem Besuch dort)

Für die Kreter ist der 20. Mai ein Gedenktag

In Würdigung des 77. Jahrestages gab es vom 16. bis 20. Mai rund um Chania unterschiedliche Events. Den Abschluss der Feierlichkeiten machte am gestrigen Sonntag – nach Gottesdienst am Vormittag in Chania und Feierlichkeiten nachmittags auf dem Deutschen Soldatenfriedhof – um 18 Uhr die Abschlusszeremonie auf dem Flugfeld von Maleme mit 15-minütiger Flugshow. Sie wurde in diesem Jahr vom F-16 Demo-Team Zeus der griechischen Luftwaffe geflogen, steht im Programm. Unter den vielen offiziellen Gästen befand sich auch der deutsche Botschafter in Griechenland.

„Die griechischen Piloten sind die besten der Welt“, erzählte uns heute voller Stolz der Kellner in der Taverna Maleme. Jedes Jahr dürfe ein anderer Pilot die Show fliegen und es sei jedes Mal eine besondere Auszeichnung. Der Kellner beneidete uns sogar ob unserer guten Aussicht, denn die F-16 flog dermaßen tief direkt über unser Haus, dass ich vom Balkon aus den Piloten in seinem Cockpit sehen konnte. Allerdings auch die Kerosinschwaden. Spritzen von Oliven, Orangen und Zitronen (falls das vorkommt) ist in unserer Gegend wohl das geringste Problem für die Früchte.

Die Kreter hier in unserer Gegend scheinen die Flug-Show sehr zu mögen. Der Pilot letztes Jahr sei sogar noch tiefer geflogen, wurde uns anerkennend berichtet. Wir einigten uns, dass selbst ich das Spektakel einmal im Jahr für 15 Minuten ertragen werde. Am nächsten 20. Mai bin ich aber sicherheitshalber anderswo auf der Insel unterwegs. Wir legen unsere Blumen lieber weiter in aller Stille in Kontomari nieder.

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